22.08.10 21:21

Senegal: Proteste gegen willkürliche Stromabschaltungen

Rubrik: Soziale Kämpfe, Senegal
Von: Izindaba

Demonstration gegen Stromabschaltungen im Senegal - www.pressafrik.com

Auch am Samstag, dem 14. August 2010 zogen – wie in vielen anderen Städten Senegals zuvor – wieder gut tausend Demonstrant_innen durch die Hauptstadt Dakar, um gegen die von der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft Sénélec verantworteten Stromabschaltungen zu protestieren. Bei der von mehreren Oppositionsparteien organisierten Demonstration wurde aber auch das Regime von Präsident Wade, der sich entgegen der Verfassung im nächsten Jahr erneut zum Präsidenten wählen lassen will, angegriffen. Die Teilnehmer_innen machten ihn und seine Regierung für Misswirtschaft, Korruption und die Verschärfung der sozialen Situation verantwortlich.

Während es in Dakar dieses Mal 'friedlich' blieb, war es bei mehreren Demonstrationen zuvor zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. In Bene Barack, einem Viertel an der Peripherie Dakars, wurde dabei am 14. Juli der 29-jährige Abdoulaye Yinghou von Schlägen der Ordnungskräfte so schwer verletzt, dass er später verstarb. Bewohner_nnen von Koalack, 180 km östlich von Dakar gelegen, plünderten die Büros der Sénélec, während woanders Angestellte, die die Stromzähler ablesen wollten, massiv bedroht wurden. Zahlreiche Initiativen rufen, verbunden mit Rücktrittsforderungen gegenüber Energieminister Sarr und Sénélec-Chef Kane, die Bevölkerung auf, die Stromrechnungen aus Protest nicht zu bezahlen. Die Wut über die meist völlig überraschend durchgeführten Abschaltungen äußert sich in allen Schichten der Bevölkerung. Denn Sénélec, nach einer kurzen Phase der Privatisierung mittlerweile wieder verstaatlicht, gelingt es nicht, eine funktionierende Stromversorgung zu gewährleisten. So zeigt sich in den landesweiten Protesten eine große Unzufriedenheit über die soziale Situation . Schließlich sind steigende Lebensmittelpreise, schlechte medizinische Grundversorgung und erschwerter Zugang zu Wasser und Strom schon lange Realität im Senegal, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört.

 

Quellen:

Sapi heißt Bitterkeit. Mai 2010. Le monde diplomatique

africa1.com/spip.php

http://www.lequotidien.sn/index.php?option=com_content&task=view&id=16677&Itemid=10

http://www.lesechos.fr/info/inter/reuters_00267738.htm?xtor=RSS-2053

http://afri-russ-archiv.blog.de/2010/07/29/senegal-buergerkommitee-rft-auf-strom-nicht-zu-bezahlen-senegal-appel-ne-pas-payer-les-factures-d-electricite-9065206/

http://www.pressafrik.com/Manifestation-contre-les-delestages-au-Senegal-De-l-electricite-dans-l-air_a33720.html