26.11.12 10:55

Namibia: Streikwelle

Rubrik: Urbane Konflikte, Namibia

Streikende Angestellte des Stromerzeugers NamPower vor dem Firmenhauptsitz in Windhoek

Seit Ende Oktober streiken Staatsbedienstete an Namibias Schulen und Krankenhäusern für eine Gehaltserhöhung.

Insbesondere der Streik der Lehrerinnen und Lehrer hat bereits für große Konflikte gesorgt, weil die Gewerkschaft NANTU ein Tarifeinigung unterschrieben hatte. Die "Einigung" sieht Gehaltserhöhungen in Höhe von acht Prozent sowie die Erhöhung verschiedener Zulagen vor. Die LehrerInnen selbst fordern eine 40prozentige Gehaltserhöhung. Sie sind mit der Gewerkschaftsführung zerstritten und wollen weiterhin streiken. Wegen der "Einigung" wurde der Streik allerdings am 2. November gerichtlich verboten und für illegal erklärt. Jetzt droht die Regierung den weiterhin streikenden Lehrkräften noch vehementer mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen und prüft weitere gerichtliche Schritte.

Der tiefe Riss zwischen Gewerkschaftsführung und Basis offenbarte sich während der Verhandlungen am 29. Oktober, als Lehrerinnen und Lehrer gleichermaßen gegen die Verhandlungsführer der Gewerkschaft wie der Regierung protestierten. Am 30. Oktober folgten dann die ersten wilden Streiks. Protestiert und gestreikt wird vor allem in der Hauptstadt Windhoek, aber auch in Swakopmund, Otjiwarongo und Walvis Bay. Im sogenannten Caprivi-Zipfel, im äußersten Nordosten des Landes, gab es vergangene Woche einen ersten Solidaritätsstreik dortiger Lehrkräfte. Auch anderswo streikten Teile der landesweit 23 000 Lehrerinnen und Lehrer.

In Namibia nehmen Konflikte zwischen Gewerkschaftsführungen und ihrer Basis sowie illegale Streiks zu. Die Fronten verhärten sich. Zuletzt wurden 104 Kündigungen gegen Beschäftigte einer Molkerei ausgesprochen, nachdem diese zum zweiten Mal einen wilden Streik durchgeführt hatten. Beim staatlichen Transportunternehmen Transnamib führte die Transportarbeitergewerkschaft NATAU zu Beginn dieses Jahres ebenfalls einen illegalen Streik durch, an dem sich 1 400 Angestellte beteiligten.

Seit Mitte November streiken auch die Piloten der staatlichen Luftfahrtgesellschaft Air Namibia. Betroffen sind vor allem Flüge auf den lokalen und regionalen Routen. Der Luftverkehr hat eine zentrale Bedeutung wegen der Größe des Landes und dem schlechten Zustand der Straßen.

Ebenfalls Mitte November sind hunderte Angestellte des Stromversorgers NamPower in den Streik getreten. Die Angestellten wollen unter anderem, dass der Arbeitgeber die Krankenkassenbeiträge zu 100% und bis ins Rentenalter zahlt.

jungle world 15.11.2012; Algemeine Zeitung online 16.11.2012