03.05.10 20:42

Somalia: Breite Front gegen Piraten

Rubrik: Soziale Kämpfe, Somalia, Ostafrika
Von: izindaba

Die somalische Bevölkerung im allgemeinen und somalische Piraten im besonderen stehen im Fadenkreuz verschiedener Aufstandsbekämpfungsmaßnahmen in Somalia.

 

Anfang Mai begann die EU mit der „Ausbildung“ „somalischer Sicherheitskräfte“. Zunächst sind über einhundert „Sicherheitstrainer“ aus Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland, Belgien, Irland, Schweden, Griechenland, Ungarn und Britannien für die “militärische Ausbildung” von zweitausend somalischen Kräften zwölf Monate lang im Einsatz.

Nach EU-Angaben seien die zweitausend somalischen Rekruten sehr sorgfältig von der Afrikanischen Union und von der US Army ausgewählt worden. Besonders letztere ist für die „sorgfältige Auswahl“ von skrupellosen Killern für Todesschwadronen (zuletzt im Irak, siehe: le monde diplomatique 10.7.2009) bekannt.

Pünktlich zum Start des Ausbildungsprogramm meldet die junge welt, dass „Hunderte“ somalischer Soldaten, die im Rahmen eines von den USA bezahlten Programms ausgebildet worden waren, desertiert sind. Teils seien sie in ihre Heimat zurückgekehrt, teils zu den Islamisten übergelaufen, weil sie seit fast einem Jahr keinen Lohn mehr bekommen hätten. Das von den USA und anderen Staaten zu diesem Zweck zur Verfügung gestellte Geld sei in privaten Taschen gelandet.

Der Begriff „Training der somalischen Sicherheitskräfte” umfasst die Ausbildung von „geheimen Sonderkommandos“ (d.h. Todesschwadronen, der Begriff wird nur nicht verwendet, da er belastet ist) unter Anleitung des BKAs, des SEK oder KSK und beinhaltet auch den Einsatz der Truppen für psychologische Kriegsführung (“operative Information”). Ob die Einhaltung des Völkerrechtes und der Menschenrechte auf dem Lehrplan steht, wurde nicht bekannt, darf aber bezweifelt werden.


Bereits Anfang April hielten Offiziere der US-Marine ein Manöver mit Schiffen und Marinesoldaten aus Singapur und Russland im Golf von Aden ab, wo somalische Piraten häufig auf fette Beute lauern. Der menschenverachtende Name des Manövers zeigt, welch Geistes Kind die internationalen Streitkräfte sind: „Rattenfalle“!

Russische Soldaten zeigten dann Anfang Mai, wie mit solchen „Ratten“ umzugehen ist: elf Piraten, die den unter Liberianischer Flagge fahrenden russischen Tanker MV Moscow University geentert hatten, wurden ermordert, nachdem Russische Sondereinheiten den Tanker gestürmt und die Piraten gefangen genommen hatten.

 

Auch islamische al-Shahab-Milizen, die als Teil des Al-Quaida -Netzwerkes gelten, beteiligen sich am Kampf gegen die Piraterie. Ende April griffen sie die Piratenhochburg Haradhere an und vertrieben die dortigen Piraten. Mit mindestens sechs gekaperten Schiffen und rund 90 Geiseln flohen die Piraten nach Hobyo, einer anderen Piratenhochburg, nachdem hunderte Militanten von al-Shahab sich in Richtung Haradhere in Bewegung setzten. Nachdem  die Milizen Haradhere besetzten, war die Stadt, in der die Piraterie den Drogen- und Alkoholkonsum sowie die Ausbreitung der Prostitution förderte, wie leergefegt.

Die al-Shahab-Milizen kontrollieren den größten Teil Südsomalias und kämpfen seit sieben Jahren gegen die vom Westen eingesetzte Marionettenregierung Somalias vor allem im Süden und im Zentrum des Landes. Im Mai 2008 sagten sie der Piraterie den Kampf an.


(radio-utopie.de 14.04.2010, Voice Of America 26.4.2010, Guardian 27.4.2010, piratebook.blogspot.com 28.4.2010, junge welt 03.05.2010, consilium.europa.eu 3.5.2010, Somalilandpress 12.5.2010)